Monsters of Liedermaching in Hannover (Musikzentrum)

Montag, 16. April 2012 - BiBi

Ich bin richtig aufgeregt – das bin ich eigentlich nicht mehr oft vor Konzerten, zu viel bin ich dafür in den letzten 10 Jahren unterwegs gewesen – aber diesmal soll es endlich mal wieder zu den Monsters of Liedermaching gehen. Ich kenne die Band nunmehr seit über 7 Jahren und bin oft und gern dabei – nur im letzten Jahr war der Wurm drin. Zu keinem einzigen Konzert habe ich es geschafft…mal streckte mich die Grippe nieder, mal hatte ich zu viel Arbeit an den Hacken – und dann überschnitt sich die Monsters-Herbst-Tour mit der Dick Brave & The Backbeats-Tour und ich entschied mich für den Rock’n’Roll…somit war mein letztes Monsters-Konzert sage und schreibe 1,5 Jahre her.
Und eigentlich sollte es auch diesmal nicht klappen, denn genau für diese Woche war eine Kreuzfahrt auf der AIDA angesagt – ein Betriebsausflug quasi, spendiert vom Chef. Nur aus diversen Gründen haben wir das ganze doch erst einmal auf Eis gelegt und plötzlich hatte ich doch Zeit – und auch Glück, noch eine der letzten Tickets für das Konzert im Hannoveraner Musikzentrum zu ergattern. Auch meine Freundin Uta wollte es trotz immensen Arbeitsanfall einrichten und erscheinen…wir fieberten quasi dem Termin entgegen, immer ängstlich, ob uns wieder eine Grippe umhaut (letztes Jahr zum Hannover-Konzert hatte es uns beide unabhängig voneinander erwischt) oder was sonst immer dazwischen kommen kann.
Aber nix…alles gut…ich hab den Montag noch gearbeitet und bin um 16.30 Uhr gen Hannover gestartet. Zwar von Verden aus nur 80 km…die ersten 72 km fuhren sich auch super – doch dann landete ich auf der Vahrenwalder Straße und aus war‘s mit flotten Vorankommen…ein nicht enden wollender Stau. Aber egal, ich jubelte innerlich über mein neues Auto, denn mit Automatik fährt sich sowas einfach viel bequemer. Jaja, nun bin ich in dem Alter angekommen, wo ich mich nicht mehr schämen muss, Automatik zu fahren…in jungen Jahren wäre das höchstpeinlich gewesen.
So kam ich trotz allem völlig entspannt und immer noch viel zu früh am Musikzentrum an. Auf dem Hof bekam ich gleich einen Parkplatz, sah am Eingang aber lediglich einen jungen Mann stehen…hm…da Uta eigentlich jetzt auch schon da sein wollte – und meine Blase drückte – entschied ich mich, doch mal nach dem Rechten zu schauen. Vielleicht stand Uta doch schon dort, etwas im Schatten oder was auch immer…ich schlenderte also zur Tür und der junge Mann fragte mich etwas erschrocken, ob er jetzt um seinen ersten Platz beim Einlass fürchten müsse…ich musste doch sehr lachen. Hilfe, geht mir der Ruf voraus, ich muss immer die Erste sein? Nein, wer zuerst da ist, kann auch zuerst rein, ist doch klar. Noch bevor ich das klären konnte, ging die Tür zum Musikzentrum auf und Totte und Fred kamen heraus und begrüßten uns freundlichst. Schön, meine Vorfreude wuchs weiter. Dann schlich ich doch vorsichtig in den Club, um die sanitären Anlagen zu besuchen. Burger, der auf der Bühne schon mal etwas Soundcheck machte, bemerkte mich aber trotzdem sofort. *schäm* - Nachdem ich mit meinem Anliegen fertig war, verschwand ich schnell wieder nach draußen. Dort stand der junge Mann immer noch allein und ich klärte ihn nun darüber auf, dass er von mir nichts zu befürchten hätte und selbstverständlich als erster in den Club marschieren darf.
Wir plauderten eine ganze Weile über dies und das, dann kam erst seine Bekannte und dann auch endlich Uta, die ebenfalls im Stau auf der Vahrenwalder Str. gesteckt hatte. Großes Wiedersehens-Hallo, das ist das erste Treffen dieses Jahr. Irgendwie verging die Zeit bis zum Einlass um 19 Uhr nun wirklich schnell, hinter uns bildete sich eine nahezu vorbildliche Schlange, es gab überhaupt kein Gedrängel, nette Bekannte kamen nach und nach auch dazu…wunderbar.
Wir sicherten uns dann auch einen tollen Platz in der ersten Reihe vor der Bühne…direkt mittig. Nun war natürlich wieder quatschen, quatschen, quatschen angesagt, man hat sich ja doch einiges zu erzählen. So ist auch diese ungeliebte Wartezeit bis zum Konzertbeginn ruckzuck vorbei und die Monsters of Liedermaching betreten die Bühne unter großem Applaus.
Und gleich geht’s auch los…mit „Kennt ihr schon“ starten die sechs Herren ihr Set. Fred Timm folgt mit dem Song, der überhaupt auch mein allererster je live gehörter Monsters-Song ist: „Marzipan“…schon sind die Chöre des Publikums gefordert und Hannover spielt natürlich mit. Nicht zuletzt hab ich mir für das Konzert in Hannover entschieden, weil es hier immer ein tolles Publikum gibt. Und so kocht die Stimmung auch beim Rüdiger Bierhorsts „Quizmillionär“.
„Hartz 4“ von Burger singt das Publikum dann zum größten Teil auch allein und mir wird immer bewusster, wie sehr ich diese großartige Atmosphäre letztendlich doch vermisst hatte…nie wieder so eine lange Monsters-Pause, nehme ich mir vor.
Bei Pensens „Schlittschuh-Lied“ spielt Fred natürlich wieder Blockflöte – heute mit der Nase. Was nicht alles geht. Lambada-Börnski erklärt seinen nächsten Song dann etwas ausführlicher und zückt dazu einen Streifen Papier von einem Meter Länge, der die gesamte Lebenszeit darstellen soll…und demonstriert anschaulich, wie viel eigentlich nur noch übrig ist. Das macht natürlich nachdenklich.
Der Flotte Totte kommt jetzt mit einem nagelneuen Stück und singt über SMS, die man so am besten im Vollsuff reihenweisen verschickt. Ich amüsiere mich königlich. Auch über die Geschichte der vergessenen Auflaufform, die Fred vorträgt.
Nun ist Rüdi an der Reihe mit einem vorher noch nicht gehörten Lied und erklärt, dass er so die eine oder andere Phobie hat. Z. B. vor Schlangen und Vogelspinnen. Letzteres kann ich furchtbar gut nachvollziehen, aber er singt dann von den kleinen Alltagsphobien, und auch das kenn ich zur Zeit sehr gut …wenn man voller Angst an den Briefkasten geht und dann Post vorfindet, die nichts Gutes verheißt…schnell weg damit, in die hinterste Ecke der Schublade, da wo die anderen ungeöffneten ungeliebten Briefe auch liegen ;)
Pensen haut dann wieder einen Song raus – so typisch…es gibt einen Schreckmoment, ich frage mich: Häh, hab ich das richtig verstanden? Und ja, doch, hab ich. Er singt über „Salamander-Vorhaut“ und nach einem halben Song klopfe ich mir vor Lachen schon auf die Schenkel. Groß – groß – großartig.
Schon bekannt und beliebt ist Labörnskis „Sängerglück“ – und dann kommt einer der für mich absoluten Highlights des Sets – ein neuer Song von Burger, angelehnt an die alte Volksweise „Ich gehe mit meiner Laterne“ – nur in diesem Fall heißt es „Ich stehe an meiner Laterne“ und die Vorstellung, wie jemand mitten in einer Winternacht im Vollrausch mit der Zunge eben an dieser Laterne festklebt, treibt mir die Lachtränen in die Augen und ich kann mich kaum noch einkriegen. Was für eine Fantasie.
Die letzten vier Songs vor der Pause sind dann wieder bekannte Lieder – „Au ja“ von Rüdi, Pensens Schunkellied „Pure Emotion“, Labörnski singt vom „Kleinen Punkermädchen“ und zum Abschluss „4 Meter“ von Totte. Mensch, ist die Zeit verflogen. Ich hab das Gefühl, das Konzert hat gerade erst angefangen, aber es sind ja doch schon einige Songs geboten worden.
Aber auch die Pause ist schnell vorbei und weiter geht’s im Text. Bei „Schönheits-Chirurgie“ singen natürlich alle euphorisch mit – und selbstverständlich wird auch schön im Refrain aufgestanden…klappt auch gut, dass sich in den Strophen alle im Saal hinhocken. „Weltklassemelodie“ von Rüdi höre ich auch immer noch genauso gern wie beim ersten Mal. Doch diesmal wird auch noch richtig was fürs Auge geboten. Pensen setzt sich eine blickdichte Brille à la Wetten dass… auf und spielt blind das Glockenspiel, dass Burger und Totte vor ihn halten und immer hin und her bewegen. Tosender Applaus für diese einwandfreie Darbietung ist allen Akteuren natürlich sicher und ich bin einmal mehr beeindruckt ob der Kreativität der Herren Musiker.
Doch nun geht’s auch richtig ab mit Burgers „Sexkranker Ex-Punker“ und meine Sitznachbarn auf der Bank machen mir etwas Angst, weil sie doch extrem hüpfen und hopsen. Auf ein zerborstenes Sitzmöbel hab ich nicht so viel Lust und sehe mich schon wie ein Käfer auf dem Rücken vor der Bühne liegen. Aber alles gut, die Bank hält dem Gehopse stand.
Nun berichtet Pensen in einem neuen Stück davon, dass er „innerlich verkeimt“ ist…das lässt tief blicken *lach* - und Totte begeistern mich mit der Erzählung, dass seine Freundin einen Neuen hat – und was er nicht alles dafür tut, damit das so bleibt und wie sehr er die arme Sau eigentlich bedauert. Klaaaaasssssse!!!
Freds Ode an das „Dixie-Klo“ kenn ich schon aus Vorjahren, aber hab es auch nur ein- oder zweimal gehört und freu ich, dass es heute dabei ist. Rüdi nimmt dann ein wenig Tempo aus dem Set und jammt ein bißchen düster, aber sehr sehr schön, gefolgt von Burgers „Selbstverständlichkeit“.
Doch nun genug der ruhigeren Töne – Totte fordert zum Sitzpogo auf bei „Als der Staat gewann“ und ich bitte noch schnell meine Sitznachbarn, es nicht so sehr zu übertreiben, damit wir heil aus dem Konzert kommen…und alles geht gut, auch wenn wir, wie gefordert, voller Hass und Abscheu und etwas lallend mitsingen.
Labörnski berichtet danach in einem neuen Lied, dass Timing nicht so sein Ding ist. Nun kommt das obligatorische „Blasenschwäche“, bei dem das Publikum inzwischen lauter singt als Pensen. Es braucht schon lange keine Ansagen mehr zu dem Song.
Rüdi hat dann wieder was Neues am Start – „Claudi – äh- Julia“ gefällt mir außerordentlich gut.
Bei Tottes „Zwerge“ fliegen an passender Stelle Eukalyptus-Bonbons und ich ahne, was noch folgt…richtig, ein rosa Damenschlüpfer, der bald drauf an Tottes Mikrostange gehängt wird. Mit den Krachern „Moti“, „Tod in der Nordsee“ und „Reine Poesie“ geht dann das Hauptset auch schon zu Ende…sag mal, bin ich in einem Zeitstrudel? Das geht doch alles viel zu schnell…
Aber natürlich gibt es die lautstark geforderten Zugaben – beginnend mit der „Superkackwurst“ von Labörnski, zugegebenermaßen einer der wenigen Songs, mit den ich so gar nichts anfangen kann. Bei „SuSuSu“ wedeln wir wieder schön rhythmisch und im synchron mit den Armen. Totte ist jetzt mit dem Glockenspiel dran und verlässt die Bühne, um auf der neu gebauten Treppe (vor zwei Jahre gab’s die noch nicht) zur Galerie zu spielen. Und Pensen bittet das Publikum, schön leise zu sein, denn der Klöppel ist aus Hartgummi – und Hartgummi ist halt nur halbes Holz, erklärt er uns…*lach* - man lernt doch immer noch dazu. Als Totte dann zurück ist, gibt’s auch schon seinen Klassiker „Türen“, wobei sich dort inzwischen einige neuen Mitmach-Elemente eingeschlichen haben. Wir öffnen alle die Saloon-Tür mit – und zwar mit den Armen nach oben. Hehe…nette Variante.
Wieder verlassen die Monsters unter lautem Applaus und Standing Ovations die Bühne, aber werden natürlich ein weiteres Mal zurück geholt. Natürlich muss am heutigen Montag auch der gleichnamige Song von Rüdi den Weg ins Set finden. Danach folgt „Interesse ist gut“ – und dann haut Fred noch einen raus, der mich zwar etwas grün um die Nase werden lässt, aber den ich trotzdem obergut finde „Ich trink die Reste aus“ berichtet er – alles, was nach einer gelungenen Party noch so übrig bleibt, wird konsumiert - sei es Erdbeersekt, abgestandenes Bier, Eierlikör oder der Rest Sekt, aus dem erst noch die Kippe gefischt wird…Hammersong.
Hach, und zum Glück gibt’s auch noch das liebgewonnene „Algerien“ mit lautlosem Applaus dazu, doch dann ist wirklich wirklich alles vorbei. Geschlagene drei Stunden sind vergangen wie im Flug und wir strahlen alle glücklich, zufrieden und durchgerockt um die Wette.
Das Tolle ist ja, dieses Konzert wurde wie alle anderen auf der aktuellen Tour mitgeschnitten für das nächste Live-Album, dass im August erscheinen soll…*can’t wait* ;)
Uta und ich bleiben noch einen kleinen Moment sitzen, doch da sie im Gegensatz zu mir am nächsten Tag arbeiten muss, geht es bei ihr dann auch bald los. Ich schlage mich auch langsam Richtung Eingang zu Mercher Timmey, da ich die neue Das Pack-CD noch erstehen will. Nach einem netten Plausch und der Erkenntnis, wir sind beide absolut bereit, mal wieder auf ein Schröders-Konzert zu gehen (wo wir uns schließlich vor Jahren kennengelernt haben), hab ich die CD in den Händen und bleib auch gleich bei Pensen stehen, um mir ein Autogramm zu holen. Das Herzchen malt mir noch ein Herz dazu und so bummele ich langsam aus dem Club, quatsche draußen noch ein paar Worte mit Totte und mach mich dann auf den Heimweg. Um ein Uhr bin ich dann in der Heimat gelandet, freue mich sehr sehr, den nächsten Tag Urlaub zu haben und bin total happy, so ein tolles Konzert erlebt zu haben…
- BiBi -
Fotos von Monsters of Liedermaching in Hannover