Morscheck & Burgmann in Würzburg (Tiepolo-Keller) - von Gastautorin Kerstin

Samstag, 11. Februar 2012 - BiBi

„Männer, die Gitarre spielen können, können vom Grundsatz her keine schlechten Menschen sein.“ (Chris Burgmann)
Getreu diesem Motto ist ein Konzert von Morscheck & Burgmann auf jeden Fall etwas, das man sich als musikinteressierter Mensch, der auf handgemachte Musik steht und für den es nicht immer ein Stadion mit Pyrotechnik sein muss, gefahrlos für Leib und Seele anschauen und anhören kann. Ich kann das bestätigen, kenne ich die beiden Herren doch schon seit mehr als 15 Jahren und habe selbst schon viele Konzerte von ihnen auf dem Buckel. Die Biografie können sich Interessierte ja mal auf ihrer Webseite anschauen (www.morscheck-burgmann.de).
Nach einer kurzen Irrfahrt durch Würzburg, fand ich dann doch endlich die angepeilte Juliusgarage, die laut Google gerade mal eine Querstraße vom Hotel Dortmunder Hof und dem dort befindlichen Tiepolo-Keller entfernt sein sollte. Essen gab’s vorher jedoch noch im Café Two Jours mit einem Q-Fladen. Falls sich mal jemand nach Würzburg verirren und vielleicht auch in die Gegend der Juliuspromenade sein sollte, kann ich das Café empfehlen! Durch den Laden hindurch kam man dann sogar direkt in die oben erwähnte Querstraße und war direkt beim Keller. Leider war die Lokalität komplett unbeleuchtet und der dazugehörige Eingang mit zwei Weinfässern zwar sehr dekorativ aber doch so zugestellt, dass man zwangsläufig erst einmal daran vorbei läuft. Naja, es hat dann ja doch geklappt, Eingang gefunden, Treppe runter (Keller!) und da war’s dann auch. Ich glaube, das war die kleinste Location, in der ich je ein Konzert gesehen habe. Eine winzige Bar, ein Sofa mit Tisch, vier oder fünf kleine Tische und insgesamt etwa 20 Sitzplätze waren gestellt worden. Bei Vorreservierungen von mindestens 14 Personen hatte man wohl mit wenig Laufpublikum gerechnet. Auf Nachfrage hieß es zwar, man habe schon 50 Personen dort unter gebracht und könne ja jederzeit noch mehr Plätze stellen aber ich frage mich doch ernsthaft, wie man das schnell hätte machen sollen, es war ja so schon wirklich sehr eng dort unten!
Das Konzert begann pünktlich um 21 Uhr. Ich habe zwar nicht auf die Uhr geschaut aber ich kenne die beiden und sie nehmen sich nicht die 15-Minuten-Rock’n’Roll-Verspätung. Ich spiele ja außer CD-Player kein weiteres Instrument, umso faszinierender ist es für mich zu sehen und zu hören, wie vielseitig Musik mit „nur“ zwei akustischen Gitarren sein kann. Die insgesamt 18 Titel sind zum Teil reine Instrumentalstücke und bei einigen singt Chris die Lead-Stimme und Peter im Background. Das alles in diesem Fall komplett unverstärkt und ohne Mikrofone, was eine sehr heimelige Atmosphäre erzeugt hat.
Die beiden „musikalischen Geschichtenerzähler“ machten dem auch an diesem Abend alle Ehre. So wurde Peters Theorie zum Weihnachtsstern zum Besten gegeben. Er meint nämlich, dass der Weihnachtsstern ein Komet gewesen sein muss, da es ja auch in diversen Weihnachtsliedern auch deutliche Hinweise darauf gäbe, zum Beispiel „Ihr Kinderlein KOMET“. Das entbehrt nicht einer gewissen Logik. Gefolgt wurde diese Erklärung vom Song „Comet“. Das Stück „Home again“ wiederum basiert auf einer irischen Geschichte einer Frau, die von Feen entführt wurde. Dort mussten sie sieben Jahre lang tanzen, bis ihr die Zehen abfielen. Von ihrer Rückkehr nach Hause kursieren zwei Varianten. In der einen sagte ihr Mann: „Schön, dass Du wieder da bist!“ und in der anderen soll er gesagt haben: „Warst Du weg??!“ Beim Song „Rain“ steigern die beiden das Tempo so weit, dass man am Ende des Stücks ehrlich die Hand von Peter nicht mehr sehen kann, so schnell spielt er die Saiten. Wirklich unglaublich und absolut sehens- und hörenswert! Zwischen den Stücken müssen die Gitarren immer wieder rauf und runter gestimmt werden (der Profi staunt und der Laie wundert sich). Dazu gibt es dann auch die Geschichte von Ravi Shankar. Dieser stimmte seine Sitar einmal bei einem Konzert einige Minuten lang, als er damit fertig war applaudierte das Publikum frenetisch! Daraufhin sagte Ravi Shankar: „Now that you like the tuning so much, I hope you will enjoy the song, too!“. Es versteht sich von selbst, dass das Publikum in Würzburg auch die nächste Umstimmung mit frenetischem Applaus quittierte! Das einzige nicht von Morscheck & Burgmann geschriebene Stück an diesem Abend war übrigens eine Interpretation eines irischen Traditionals in der Version von James Taylor.
Das Programm war durch eine kurze Pause – von weniger als den zuvor angekündigten 2 Tagen! – in zwei Teile geteilt. Gefolgt vom zweiten Teil gab es auch noch zwei Zugaben. Eine davon war „Alle unsere Entchen auf Weltreise“. Hier reisen die Entchen von Deutschland über Russland und Brasilien nach Österreich. Hierzu die Geschichte der Damen im Altersheim, die zuvor das Konzert über weitgehend verschlafen hatten, bei Alle meine Entchen jedoch schlagartig wach wurden, mit rockten aber dann leider schon in Russland „aus der Kurve flogen“. Da das Publikum im Keller noch nach einer weiteren Zugabe verlangte, kam ganz am Ende noch ein kleines Schlaflied mit Begleitung einer Spieluhr.
Es war mein x-tes Konzert von Morscheck & Burgmann und einmal pro Jahr MINDESTENS muss ich die beiden sehen. Ein echter Ruhepol im Leben und ich beleidige auch niemanden wenn ich sage, dass ich zum Album „Contakt“ wirklich immer sehr gut einschlafen kann… *lach*
Fotos gibt es leider keine, da es im Keller recht düster war und ich fand, dass auf die kurze Distanz zu blitzen Körperverletzung gewesen wäre.

- Kerstin -