Interview mit "Boppin' B"

Samstag, 18. November 2006

Konzert-Junkies: Was macht Boppin' B eurer Meinung nach zu etwas Besonderem?

Didi: Der Oberlippenbart unseres Sängers. Vorher waren wir natürlich eine Scheißkapelle, aber seit 2 Tagen beflügelt mich das. Seitdem fühl ich mich irgendwie total klasse.

Micha: Ja, ich habe mir überlegt, ich übernehme jetzt den männlichen Part in unserer Band und das macht uns zu etwas ganz besonderem. (lacht)

Thomas: Ich glaube wir sind die falschen Adressaten für diese Frage. Eigentlich müssten das die Fans gefragt werden. Denn wir erleben uns ja eigentlich als ganz normale Band, weil wir uns ja nicht irgendwann mal hingesetzt haben und uns überlegt haben, wir wollen jetzt was ganz besonderes machen, sondern wir haben einfach nur das gemacht was wir machen wollten, Musik machen. Die Art wie wir jetzt sind, das hat sich alles so im Laufe der Jahre ergeben. Was daran jetzt was besonderes ist, nehme ich an, ist die Art der Darbietung und wie wir halt einfach sind. Aber das muss man eigentlich die Leute fragen, die die Konzerte besuchen und die uns dann auch so dementsprechend empfinden.

D.: Genau, was findet ihr denn ist das Besondere an uns?

M.: Natürlich außer, dass wir alle super aussehen. Aber das ist das Problem, wir wollen eigentlich nicht, dass die Leute nur sagen, ey, die sind sexy und sehen geil aus.

K.-J.: Ihr wollt also nicht als Sexsymbole dastehen?

M.: Nee ...

D.: Wir sind Sexsymbole!

M.: Aber wir haben immer wieder damit zu kämpfen, wir wollen eigentlich eine tiefer gehende Message verbreiten. Aber die stehen immer nur auf unsere geilen Körper.

D.: Und wenn Sex, dann mit Musik.

K.-J.: Wie seid ihr denn zu eurem Beinamen Scheißkapelle gekommen?

T.: Wenn ich mich recht erinnere, hat das einer gerufen ...

D.: Ich weiß sogar noch, wann das war, in Förde, „Tanz den Kanzler“.

T.: Also bevor der Helmut Kohl zum Kanzler wiedergewählt wurde. Auf jeden Fall hat jemand Scheißkapelle gerufen, dem hat es wohl nicht so gefallen und dann haben wir gesagt, wenn dann alle und dann haben wir gesagt : 1 2 3 und jetzt alle, und dann haben die gerufen und das fanden wir sehr sehr lustig, auf der Bühne zu stehen und beschimpft zu werden. Irgendwann haben wir dann überlegt, dass wir das jetzt regelmäßig machen wollen, aber das mit dem 1 2 3 ja blöd ist und dann kam diese Allerweltsfrage, die wir schon immer ganz schlimm fanden. Wenn halt eine Band auf die Bühne geht und es ist noch überhaupt nichts passiert und dann kommt „Do you feel alright?“ und die Leute brüllen einfach, weil man halt auf diese Frage diese Antwort gibt.

K.-J.: Und der Song kam dann später dazu?

D.: Ja, der stammt von einem grandiosen Musiker in der Band, der viele Instrumente spielt, der hatte die Idee zu dem Song. Zu dem Thema fällt ihm interessanterweise immer viel ein, sonst hakt es ein ganz kleines bisschen, aber beim Thema Scheiße ...
Es waren übrigens interessanterweise Rockabillys, die das gerufen haben. Und es war auch wirklich dazu gedacht, uns zu beleidigen.

K.-J.: Also war das ernst gemeint?

D.: Das war total ernst gemeint. Der Clou an der Sache war ja, in dem Moment wo wir das sozusagen umgedreht haben, waren die so düpiert. Alle plötzlich so: Ja ja das ist lustig, Scheißkapelle ... und die so: Wir wollten denen ja eigentlich eins auswischen und haben denen auch noch die Steilvorlage gegeben. Das war an dem Tag eigentlich ganz schön, ich glaube, es ist aber doch noch eine Flasche auf die Bühne geflogen. Allerdings war der Werfer nicht mehr lange im Saal.

K.-J.: Welches waren denn bisher so eure Konzert-Highlights und welche waren eher so Desaster?

M.: Desaster haben wir ständig. The Dome fand ich zum Beispiel ein absolutes Highlight, über den roten Teppich zu laufen, mit allen Stars. Aus einem schönen Schwarzen Skoda Felicia auszusteigen mit 5 Musikern, obwohl es eigentlich nur 4 Plätze außer dem Fahrer gibt, das war klasse. Und dann läuft man so über den roten Teppich, das war zwar nicht direkt ein Auftritt, aber doch ein Highlight.

D.: Das war doch ein starker Auftritt.

M.: Und dann kommst du aus dem Wagen raus und alle schreien yeah, wissen gar nicht wer du bist, finden es aber unheimlich geil, dass du da bist.

D.: Ich hatte bei einigen Teenagern das Gefühl, dass das Schreien kurz gestockt ist, nach dem Motto: Wer sind die eigentlich? Na egal ... yeah! (lacht)

M.: Das war dann ein Highlight, gleichzeitig aber auch ein Desaster.

T.: Richtige Desaster vergisst man sehr schnell...

M.: ... sonst könnte man nicht weiter machen!

D.: Einer war es sicher, da stimmen auch alle zu, dieser Auftritt in Hagen.

T.: Das war ja auch dann letztendlich wirklich kein Auftritt.

D.: Wir sind halt auf die Bühne gegangen, es haben 4 Bands vor uns gespielt und wir hatten eine undankbare Position, das lag in der Organisation des Auftritts. Es haben also 4 Bands vor uns gespielt, und die Hälfte der Songs waren bei allen Bands gleich. Dann haben wir gedacht, wir sind mal lustig, ziehen uns bunte Hemden an, machen uns die Locken rot, es war gerade Fasching und haben dann „One step beyond“ gespielt. Da waren halt nur Rockabillys da und die fanden das scheiße und haben halt nach 20 oder 30 Sekunden Flaschen geworfen und es gab Schlägereien. Da war dann der Auftritt sozusagen vorbei. Und interessanterweise ist genau Hagen einer der Orte in Deutschland, wo es immer wieder sehr interessant wird. Also auf dem Springefest gab es Schlägereien, und dann in diesem komischen Club wo wir gespielt haben, wo die eine das Furzen angefangen hat, dass der ganze Saal darunter gelitten hat.

K.-J.: Spielt ihr denn lieber auf Festivals, also open air, oder doch lieber Clubkonzerte?

M.: Im Winter spielen wir nicht so gerne Festivals, da ist es einfach zu kalt. Aber im Sommer macht das natürlich viel Spaß, weil da viele Leute sind.

T.: Im Sommer ist auch Club blöde.

M.: Wir spielen eigentlich alles ganz gerne. Gibt es auch irgendwas, was wir total blöd finden?

D.: Skinhead-Diskotheken.

M.: Skinhead-Diskotheken?

D.: Ja, Skinhead-Diskotheken, haben wir schon gehabt. Das war nicht schön, da warst du aber noch nicht dabei.

K.-J.: Habt ihr manchmal noch Lampenfieber vor Auftritten?

M.: Selbstverständlich, jeden Abend. Bei so größeren Sachen denkst du dir schon, Mensch, hoffentlich kriegen die anderen Musiker das auf die Reihe, die Pfeifen. Da hab ich dann auch Lampenfieber. (lacht)

Frank: Ich hab grundsätzlich kein Lampenfieber.

D.: Frank ist eh der, der nie schwitzt, von daher kann er auch kein Lampenfieber haben.

F.: Also eigentlich wenig. Jetzt beim Fernsehen oder so, ich hab eigentlich eher Lampenfieber beim Playback- Spielen. Da muss man ja eigentlich nichts machen, aber da komm ich mir immer blöd vor.

T.: Ich hab dann immer Angst, dass mir die Sticks aus der Hand fallen und es geht halt weiter.

F.: Kann ja mal passieren, dass man hin fällt oder so.

M.: Passiert ja eigentlich nie, aber gerade wenn man so was hat, denkt man: Jetzt könnte es passieren. Lange nicht mehr hingefallen.
(alle lachen)

K.-J.: Wann habt ihr angefangen, euer Instrument zu lernen und spielt ihr noch weitere Instrumente?

M.: Seit wann wir das spielen und wann wir das lernen werden, das ist eine andere Sache.

D.: Also würden wir die Frage richtiger formulieren: Wann habt ihr euer erstes Instrument erworben?

M.: Wir haben alle wahrscheinlich schon recht früh angefangen, aber zu wahrer Meisterschaft haben wir es wohl noch nicht gebracht. Für das, was wir machen, langt es auf jeden Fall.

T.: Ich hab in der dritten Klasse angefangen, mit Melodika. Dann hab ich Orgel gespielt, dann Keyboard, das mache ich heute ja noch einmal im Jahr. Schlagzeug habe ich dann angefangen mit Boppin' B sozusagen.

D.: Ich hab im Kirchenchor angefangen, mit 6 Jahren, hab den Hirten beim Krippenspiel gesungen.

F.: Gesungen?? (lacht)
(alle lachen)

D.: Nee mal im Ernst, ich weiß ja selbst, dass ich irgendwann den Stimmbruch hatte und dass jetzt alles anders ist. Abgesehen davon kann ich wenigstens die Texte von allen Liedern. Auf jeden Fall hab ich den Hirten gesungen.

F.: Ich aber auch, das war in der Schule.

M.: Ich war immer schon das Schaf.

D.: Ich wollte aber die Geschichte noch fertig erzählen. Jedenfalls musste ich dann im Alter vom Stimmbruch im Kirchenchor die Sprachrollen übernehmen. Da hieß es irgendwann: Wer brummt denn da so? Didi? Ich hab dir mal hier angestrichen, was du in Zukunft machst. Da durfte ich dann nur noch die Ansagen machen.

M.: Das hat sich ja bis heute nicht geändert.

K.-J.: Frank, wann hast du denn angefangen?

F.: Mit 6 Jahren hab ich Blockflöte gelernt, das hab ich dann so 3 Jahre gespielt und mit 9 hab ich dann ein Saxophon gekriegt.

D.: Und wann war das mit dem Hirten?

F.: Da war ich 7, in der Schule, in der ersten Klasse. Aber es war glaub ich kein Gesang, sondern Schauspiel. Also ich war Schauspieler. Es war auch ein dankbarer Job, weil man nicht soviel auswendig lernen musste wie der Josef.

D.: Was auch klasse war, war der Weihnachtsstern, der stand nur rum.

K.-J.: Ja und ...

M.: Moment mal, du hast nicht gefragt, wann ich angefangen hab.

K.-J.: Ja dann erzähl mal.

M.: Nee, nee, war nur Blödsinn.

K.-J.: Doch, jetzt wollen wir das wissen.

M.: Als Elvis tot gegangen ist. Da habe ich gesehen, dass der eine Gitarre umhängen hatte. Das hab ich dann auch gemacht, vor dem Spiegel und so. Richtig spielen kann ich eigentlich bis heute nicht, aber es sieht gut aus.

D.: Eigentlich hat er immer im Bett gelegen wie der tote Elvis mit der Gitarre. (lacht)

M.: Er ist eingeschlafen, du kannst ihm die Gitarre wegnehmen.

K.-J.: Wovon hängt es ab, ob ihr mit einem Auftritt oder Konzert zufrieden wart?

(Didi reibt sich die Hände.)

M.: Ob die Gage höher war als die Spritkosten, das ist immer interessant bei uns. Und ob wir selbst Spaß dabei hatten, der Rest interessiert uns nicht.

F.: Manchmal sagt Didi auch, heute war es super und ich fand es nicht so toll. Das ist natürlich immer eine subjektive Sichtweise.

M.: Aber man muss dazu sagen, dass Frank immer sagt, wie er gerade schon angesprochen hat, es war nicht so toll. Das sagt er eigentlich immer.

D.: Ich denk einfach, wenn du einfach das Gefühl hast, dass du abgegangen bist, dass der Sound klasse war und dass die Leute abgegangen sind.

M.: Stimmt, das ist auch ein Faktor, der eine Rolle spielt, wie der Sound auf der Bühne ist, darum haben wir immer super Techniker. Heute hatte leider nur der Adi Zeit. Nee, das ist schon sehr wichtig, dass der Sound auch stimmt, dann kannst du dich auf der Bühne total gut entfalten, auch mal ein Bier mehr trinken und es klingt trotzdem noch.

K.-J.: Habt ihr denn Tricks, eure Texte oder Noten zu lernen und einzustudieren?

T.: Wir proben ja.

F.: Also ich darf mir nichts aufschreiben. Wenn ich mir etwas aufschreibe, dann werde ich es nie mehr auswendig lernen. Also muss es immer aus dem Kopf kommen. Ich hab ein paar mal etwas aufgeschrieben und das hab ich nie mehr in den Kopf bekommen.

M.: Ich schreib mir das immer sehr minutiös auf, vergesse es dann aber regelmäßig.

D.: Micha hat von vielen Texten viele Ausführungen, die er auch an vielen Orten liegen hat, die selten mit seinem Körper kongruent gehen. (lacht)

M.: Die Orte gehen nicht mit mir mit, ja. (lacht) Das ist aber ganz normal.

D.: Ich sehe das Dilemma ja auch.
Also wir arbeiten wenig mit Noten. Was hilfreich ist, wenn du wenigstens die Akkordfolge aufgeschrieben hast, denn wenn es irgendwie Diskussionsbedarf gibt, und der taucht bei uns häufiger auf, denn es sind 5 Klugscheißer in der Band...

M.: Vier, und einer weiß wirklich Bescheid. (lacht)

D.: Es sind allerdings auch schon verschiedene Aufzeichnungen aufgetaucht, da wirds dann ganz spaßig. Eigentlich geht es aber ganz gut, denn letztendlich haben wir ja auch viele von den eigenen Songs auf Platte, das ist ja dann endgültig, da hat man dann den Beweis.

K.-J.: Gibt es denn auch mal Streit, wenn man so lange zusammen unterwegs ist, zum Beispiel im Bus?

F.: Während der Fahrt eigentlich selten.

K.-J.: Da schlaft ihr dann ja alle.

M.: Der Bus ist auch ziemlich laut, da sind Streitgespräche dann auch sehr ermüdend.

T.: Ja da muss man dann ganz laut sein.
Meistens gehen wir Streit aus dem Weg.

M.: Ja, wir haben ja alle Zivildienst gemacht.

T.: Man weiß einfach, wenn jemand nicht so gut drauf ist, dann lässt man den einfach in Ruhe. Und jeder von uns weiß, wann er selber Scheiße gebaut hat. Jeder weiß was er zu spielen hat, wenns musikalisch ist, und dann weiß auch jeder, wann er Scheiße gebaut hat. Da muss keiner nach dem Konzert hingehen und sagen: Da haste aber so und so und das war aber blöd ..., sondern das weiß jeder selber.

M.: Aber wir loben uns eigentlich die meiste Zeit nur.

D.: Ich hab übrigens im Tagebucheintrag von gestern eure Tanzshow erwähnt, also ihr wart gestern echt gut.

M.: Frank fands scheiße.

D.: Wie war die Tanzshow gestern?

K.-J.: Die war super.

D.: Die war auch wirklich gut, selbst mir ist das aufgefallen.

M.: Bei Dschungelbuch oder wo?

D.: Nee, bei verschiedenen Stücken.

M.: Ja da haben wir synchron getanzt, es hat sich also gelohnt, dass wir Tanzunterricht genommen haben.

T.: Ach, das war als ihr euch beide euer Bier holen gegangen seid. (lacht)

M.: Ja genau, Synchrontrinken.

K.-J.: Gibt es Künstler, die euch besonders stark musikalisch beeinflussen?

M.: Ach quatsch, kommt man doch eh nicht dran, an die guten Leute.

D.: Frank Seefeldt, the incredible Frank, the unbelievable Hulk Seefeldt.

T.: Der einzige der auf sowas guckt, ist jetzt gerade nicht da. Das ist Golo mit Brian Setzer, den liebt er halt.

D.: Ich denke jeder von uns hat schon Bands und Künstler, die er gerne hört und die dich dann beeinflussen. Bei mir ist das eine Riesenlatte. Auf meiner Homepage hab ich ja auch so eine Art Hero-Seite, aber das ist nicht so, dass ich versuche, die zu kopieren.

M.: Er versucht es schon, er kriegt es nur nicht hin.

D.: Was war das?

M.: Ich hab nichts gesagt.
Bei mir ist das zum Beispiel Rammstein, ich find Rammstein ziemlich geil. Ich versuch auf jede Art, an die dran zu kommen. Musikalisch und technisch , auch von meiner Show her.

T.: Es liegt uns wohl auch einfach nicht so, da Vorbilder reinzunehmen, Wir versuchen halt unsere Lieder und unsere Musik so zu machen, wie wir das untereinander gut finden, und wenn dann halt einer irgendwas spielt und die anderen sagen, das passt uns aber nicht so gut, dann sucht er halt was anderes und sagt sich aber nicht, wie hat der oder der das jetzt gespielt.

K.-J.: Wenn ihr euch unter allen Musikern jemanden aussuchen dürftet, mit dem ihr zusammen arbeiten könntet, auf wen würde eure Wahl fallen?

T.:Musiker oder auch Produzent?

K.-J.: Egal.

T.: Rick Rubin.

D.: Wie kannst du mir mein Vorbild klauen?

T.: Der hat die letzte von Johnny Cash gemacht.

D.: Und Red Hot Chili Peppers, Rage against the machine, LL Cool J, Run DMC ...

M.: Alles nicht mein Ding.

T.: House of Pain ...

D.: Audioslave ...

M.: Da schalte ich immer weiter, wenn das im Radio läuft.

K.-J.: Wer wäre denn für dich interessant?

M.: Howard Carpendale oder so. Irgend jemand, der wirklich Leute bewegen kann, der sagt: Hey, hoch mit dem Arsch, jetzt geht die Party ab. Nicht immer nur die Typen, die bei uns nachher spielen, wo wir die Vorgruppe sind, Costa Cordalis kann ich nicht mehr hören. Aber Howard Carpendale macht ja nichts mehr.

D.: Doch der war doch jetzt im Fernsehen.

M.: Ja aber nur mal so guten Tag und Hallo.

D.: Nee, der hat auch gesungen, bei Leute Heute hab ich das gesehen.

M.: James Last fänd ich noch interessant.

K.-J.: Was hört ihr denn privat so für Musik, vielleicht auch aus den Charts?

T.: Manchmal kommt es schon vor, dass die Musik, die ich mag, auch in den Charts ist, aber eher selten. Aber sonst alles mögliche, wirklich kreuz und quer.

M.: Ich höre meist Deutschlandfunk, wenn es geht Wortbeiträge. Ich hör ab und zu gern mal ein paar alte Sachen, Slim Whitman zum Beispiel, ich bin ein glühender Verehrer von Slim Whitman.

F.: Ich höre eigentlich meistens Hörbücher. Ich fahre ja viel Auto, und dann höre ich meistens Hörbücher, weil bei Musik penn ich ein, da werd ich immer müde.

M.: Merkt man auch, zum Glück machen wir keine Musik. (alle lachen)

T.: Wir müssen Frank immer zur Zugabe wecken. FRANK, ZUGABE!! (lacht)

F.: Wenn ich mal Musik höre, dann höre ich ganz abstruse Sachen. Letztens hab ich Alexandra gehört.

D.: Jetzt sag doch, dass du Reinhard Mey - Fan bist.

F.: Ja, Reinhard Mey höre ich gerne.

M.: Also wie man ja auch mitkriegt, wir sind die typischen Rock‘n‘Roller.

D.: Bei mir nehmt einfach bei Amazon die Popliste und lasst 10 Prozent weg. Das hängt bei mir auch nicht mit Künstlern zusammen, sondern überwiegend mit Songs.

K.-J.: Depeche Mode ist es aber doch auch bei dir.

D.: Ja, also wenn man nach meiner CD-Sammlung geht, da habe ich komplett Depeche Mode, Red Hot Chili Peppers, Primes, Esbjörn Svensson.

T.: Aber du hast die australischen Importe nicht.

D.: Dafür hab ich die japanischen. In doppelter Ausführung.

T.: Es gibt ja in jedem Musikgenre immer gute und schlechte Sachen, und das ist dann ja auch immer noch Ansichtssache.

D.: Also ich finde es immer schade, wenn die Rock‘n‘Roll - Musiker nur Rock‘n‘Roll hören und vielleicht noch ein bisschen Country. Das ist ja ok, aber bei mir ist das halt komplett anders. Also ich hör natürlich auch gern Rock‘n‘Roll und Rockabilly und alles, was artverwandt ist. Aber ich hör halt auch gern extrem andere Sachen. Gestern Abend waren wir z.B. auch noch in so einem Laden, wo dann House und Techno lief, und da gab es auch den ein oder anderen Song, wo ich gesagt hab, der ist gut.
Heute waren wir im Hotel und da liefen die Charts, und es kam Kool Savas, das neue Lied. Und das find ich so unglaublich scheiße, das ist so eine Frechheit. Der Text ist wirklich ... also der Typ gehört einfach in die Klapse, der ist wirklich platt im Hirn. Und die Musik ist auch noch schlecht und billig produziert. Danach lief dann Sergoya feat. Azad, irgendsowas „ich fick dich Alter, ich hau dich weg, auf die Fresse, dumme Sau“.

M.: Der Text ist übrigens von mir.

D.: Ich hab auch so autobiographische Züge darin entdeckt. (lacht) Also sowas finde ich dann wirklich unterirdisch. Da zweifle ich dann auch daran, dass die Leute sowas gut finden. Wobei, wenn man sich dann die Leute in der Disco so anguckt, was für Leute diese Musik hören und wie die sich dazu verhalten ...

M.: Also wir haben im Prinzip einen Hass auf alles was mit Musik zu tun hat und Leute, die Musik hören.

D.: Das Schlimme ist ja, dass man bei manchen das Gefühl hat, die hören gar nicht wirklich Musik. Die denken, das ist jetzt cool, also muss ich das jetzt hören und mich auch cool dazu verhalten. Das geht gar nicht darum, dass die das wirklich gut finden.

K.-J.: Wart ihr denn auch schon einmal so richtig Fan von jemandem, vielleicht in der Jugend? Mit Poster aufhängen und so?

M.: Elvis Presley.

F.: Bay City Rollers.

M.: Aber ich habe mit meinem Bruder ein Zimmer geteilt und ich durfte nur 11 Elvis Poster aufhängen. Das Zimmer hatte 8 qm, also Wandfläche, das ist ja dann kleiner insgesamt. Der hatte dann 32 John Travolta Poster, so mit Grease und Saturday Night Fever, ich fand das ziemlich schwul. Außer das eine Bild mit Olivia Newton-John, das fand ich auch nicht schlecht. Aber ich kam in dem Film ja nicht rein, ich war zu klein. Der kam ja 78 raus und war ab 12. Nachher haben sich dann alle die Haare mit Brisk gemacht, das war so eine Frisiercreme für den Herrn und dann sind alle so rumgelaufen, wie ich immer rumlaufen wollte, aber ich war ja zu klein dafür.

F.: Ich hatte so eine Kunstlederjacke und dann auch immer Brisk in den Haaren. Ich war nämlich drin in dem Film, ich hab mich für 12 ausgegeben. Ich und mein Bruder.

D.: Ich und mein Bruder, wir sind zusammen 12.

M.: Frank sah immer schon alt aus.
(alle lachen)

F.: Also ich weiß nur noch, ich war da drin.

K.-J.: Hattest du dann auch John Travolta Poster aufgehängt?

F.: Nee also Poster hatte ich nie. Also nicht mal Tierposter oder sowas.

M.: Elvis mit Hund hatte ich auch aufgehängt.

D.: Cure-Poster hatte ich eins.

T.: Tierposter?

D.: Cure, The Cure!

T.: Ist man schon Fan von jemandem, wenn man Poster aufhängt?

M.: Ja doch, wenn man soweit geht ...

D.: Das war auch noch nicht mal aus der Bravo, das musste man kaufen. Das Bild von „Boys don‘t cry“, wo er da mit Gitarre steht.

T.: Sisters of Mercy, jetzt ist mir auch was eingefallen. Da hab ich alle Maxis.

K.-J.: Was wünscht ihr euch für eure musikalische Zukunft?

M.: Weniger Arbeit, mehr Geld, ganz einfach. Nur noch im Studio hocken, damit man sich nicht immer schön machen muss fürs Publikum.
(alle lachen)

K.-J.: Scheiße, wenn man alt ist.

D.: Ich habe heute ein Foto von S.T.S. gesehen ...

T.: ... das ist geil oder?

D.: Heiliger Strohsack!

T.: Wie so aus der Fußgängerzone.

D.: Ja, wie welche die aus der Fußgängerzone verjagt werden. Es gibt ja welche die sitzen da und welche, die verjagt werden, so sehen die aus.

M.: Peruaner?

D.: Die hören vor allem nicht, wenn sie verjagt werden.

K.-J.: Also das ist wirklich alles, was die musikalische Zukunft bringen soll?

M.: Naja ab einem gewissen Alter ist das so, musikalisch sind wir eh nicht mehr zu toppen.

T.: Ich wünsch mir noch was. Dass es so weitergeht wie bisher, nämlich dass immer noch wieder was neues dazukommt.

M.: Das ist ja automatisch so.

D.: Nein, das ist es eben nicht. Es gibt genug Bands, die machen gar nichts mehr.

F.: Ich möchte gern irgendwann mal einen Film drehen.

M.: Frank ist so der einzige, der ein bisschen schauspielerisches Talent hat.

T.: Ja wie Frank an den Baum gepinkelt hat ...

F.: Der Baum ist groß rausgekommen ...

K.-J.: Es müssten also auf jeden Fall mehr Musikvideos gedreht werden?

F.: Also die Videos fand ich jetzt nicht so toll, mehr so einem Roadmovie oder sowas.

M.: So einen 10-Minuten Kurzfilm.

F.: Wo eigentlich gar keine große Handlung drin ist ...

T.: Ja wo man mit der Pistole rumschießt und Blut spritzt.

M.: Und dann auf der richtigen Seite stehen, das ist sehr wichtig.

F.: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.

M.: Eben, und wer verliert, das ist natürlich eine schlechte Sache. Wenn wir dabei sind, sind wir die Sieger. Wir haben das Sagen, jedenfalls im Film.

K.-J.: Das war auch schon die letzte Frage, vielen Dank!